Bianca Oehlmann

„Bildung und Wissen sind die Voraussetzung, dass man nicht sozial abgehängt wird“

Ob Taschendiebstähle, Drogen-, Sexual- und Raubdelikte, gemischte Streifen mit der Landespolizei oder szenekundige Beamtin für die Problemfans bei Werder Bremen – Bianca Oehlmann, Hauptkommissarin bei der Bundespolizei, ist kaum ein Einsatzbereich unbekannt. Sie erzählt von dem Dealer, der „Bubbles“ mit Kokain, also kleine Mengen in Plastiktütchen, aus dem Mund heraus verkaufte. Um nicht erwischt zu werden, schluckte er das Rauschgift. Bis zur höchstrichterlichen Entscheidung, dass es gegen die europäische Menschenrechtskonvention verstoße, mussten Dealer in diesen Fällen seinerzeit Brechmittel nehmen. Sie berichtet von der Rumänin, die eine Nacht im Gewahrsam verbrachte und mit ihrer Muttermilch auf die Beamtin spritzte. Und sie schildert die Festnahme von Jugendlichen, die mit CS-Gas und Küchenmessern hantierten. Dabei erlitt sie Verletzungen im Gesicht, einen Faustschlag, erlebte dumpfe Gewalt.

„Pyros, Raketen, Böller, kurz alles, was brannte, fackelten Fußballfans in einem Tunnel ab“, erinnert sich Bianca Oehlmann an den Fanmarsch zum Hochrisikospiel Werder Bremen gegen den HSV. Aus dem Tunnel stürmte ein Fan auf sie zu, der einen Holzspieß im Auge stecken hatte. „Zieh ihn raus!“, schrie er immer wieder. Auch wenn medizinisches Personal nicht weit war – das Augenlicht konnte man nicht mehr retten.

„Du bist zu jung“, hieß es, als Bianca Oehlmann den Einstellungstest bei der Polizei Niedersachsen bestanden hatte, denn sie war gerade 15. Weshalb sie überhaupt am Verfahren teilnehmen durfte, kann sie sich selbst nicht erklären. Doch die Faszination für den Beruf ließ sie nicht los. Mit Fachabitur fing sie beim Bundesgrenzschutz an, dem Vorläufer der Bundespolizei. „Damals hatte ich den Hintergedanken, ins Ausland zu gehen“, was bei der Bundespolizei eher möglich ist als bei den Länderpolizeien. Dass die Bundespolizei auch im Inland viel zu bieten hat, wurde der Beamtin schnell klar. Einen ihrer schwärzesten Tage erlebte sie mit 20 Jahren, als ein Lkw zwei Kollegen von ihr an der Grenze zu den Niederlanden überrollte und sie für die Totenwache der fast gleichaltrigen Kollegen eingeteilt wurde – ein Erlebnis, das ihr noch heute zusetzt.

Trotz alldem ist sie eine lebenslustige, engagierte und positive Frau. Seit 1999 ist sie als Polizeitrainerin tätig. „Lachendes Fallbeil hat mich meine Ausbildungsgruppe in Walsrode genannt“, erzählt sie schmunzelnd. Einen solchen Spitznamen muss man sich erarbeiten. „Mit der Gefahr, dass ein unmittelbarer Angriff kommt, muss man leben“, schärft sie ihren Auszubildenden immer wieder ein.

„Bildung und Wissen sind die Voraussetzung, dass man später nicht sozial abgehängt wird und in seinem Leben etwas erreicht“, sagt Bianca Oehlmann, die schon in der 3. Liga Volleyball gespielt hat. Wir sind davon überzeugt, dass junge Beamt*innen viel von ihr lernen können. Dass sie im Bundesvorstand der deutschen Polizeigewerkschaft tätig ist, rundet ihre Persönlichkeit ab.