Gero Denner

„Schickt uns die Cops!“

Die Rücksichtslosigkeit nimmt immer mehr zu. Gero Denner ist oft fassungslos und erzählt von dem Autofahrer, der kurzerhand durch die abgesperrte Unfallstelle rast, oder von jenem, der ihm über den Besen fährt, als die Freiwillige Feuerwehr Ravensburg eine Ölspur auf der Fahrbahn entfernt. Oft genug kommt es vor, dass er und seine Kollegen sich mit einem Sprung in Sicherheit bringen müssen. Für ihn ist so ein rücksichtsloses Verhalten nicht nachvollziehbar.

Gero Denners Herz schlägt schon seit der Schulzeit für den Rettungsdienst, Krankenwagenfahrer war sein Berufswunsch als Kind. Hört man ihm zu, dann spürt man seine Leidenschaft, die mit der Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Ravensburg einhergeht: „Es ist die Spannung, aber auch der Anspruch, Strukturen zu schaffen, Ordnung ins Chaos zu bringen.“

Dass dies mitunter mehr als gefährlich ist, zeigt ein Einsatz in seiner Rettungsdienstzeit: Eine besorgte Mutter hatte einen Notruf abgesetzt, ihr jugendlicher Sohn habe „etwas“ eingenommen und drehe zu Hause völlig durch. Zu zweit betraten die Sanitäter das Haus und versuchten deeskalierend auf den Jugendlichen einzuwirken. Dieser griff nach einem Baseballschläger und stürmte auf die beiden Einsatzkräfte los. Reflexartig schleuderte Denners Kollege den Sanitätskoffer auf den Angreifer, der Baseballschläger fiel zu Boden. Der junge Mann war jedoch völlig in Ekstase, die beiden Sanitäter kämpften um ihr Leben. Im Handgemenge gelang es Gero Denner, das Handy zu betätigen, verzweifelt schrie er, in der Annahme, die Kollegen der Feuerwehr angerufen zu haben: „Schickt uns die Cops, schickt uns die Cops!“ Zum Glück war der Notruf direkt an die Polizei gegangen. Der Beamte an der Leitung reagierte sofort, fand heraus, wo sich die Sanitäter befanden, und schickte eine Streife. Mit gezogener Waffe stürmten diese die Wohnung, gerade rechtzeitig, um Schlimmeres zu verhindern. Der unter Drogen stehende junge Mann wurde überwältigt, die beiden Einsatzkräfte medizinisch versorgt. Gero Denner kam mit Nasenbluten davon, während sein Kollege eine Gehirnerschütterung erlitt. „Es fühlte sich an wie im Film“, sagt er. „Zwei Helden, die durch den leitenden Notarzt die Treppe heruntergeführt wurden, völlig erschöpft, aber auch erleichtert, noch gut aus der Situation herausgekommen zu sein.“

Was den Feuerwehrmann in seinen Einsätzen besonders stört, sind die zunehmende Arroganz und der Egoismus, jeder sieht nur noch sich selbst. Diese Entwicklung wirkt in Einsätzen oft verstörend, denn schließlich kommen die Feuerwehr und der Rettungsdienst ja, um zu helfen. Gero Denner setzt hier auf seine gute Ausbildung und seine Erfahrung. Er weiß, was er kann und wie er agieren muss, um mitunter auch deeskalierend einzuwirken. Gefallen lassen muss man sich nicht alles, auch nicht als Feuerwehrmann.