Irgendwie ein Held
„Ich wäre gerne Polizeireiter geworden“, erzählt Alexander Prinz. Der Feuerwehrmann fährt Einspänner, mit seinem Apfelschimmel „ZZ-Top AG“ war er schon Dritter der württembergischen Meisterschaft. Seine Liebe für Tiere hat er inzwischen auch bei der Feuerwehr umgesetzt, er ist Fachberater für Tierrettung. Wenn Kühe in die Güllegrube fallen oder Pferde mit ihren Hufeisen auf schmalen Betonbrücken ausrutschen, ist der Fachmann mit dem Tierrettungsgeschirr gefragt. „Wir sind Stützpunktfeuerwehr“, erzählt der Oberbrandmeister, „Verkehrsunfälle, Brände, Meldealarm, Gefahrgutunfälle. Wir kommen auf 150 bis 200 Einsätze im Jahr.“
Auch mit Problemgruppen muss er sich herumschlagen, z.B. in einem Fall mit Reichsbürgern. Die Frau des Reichsbürgers war pflegebedürftig und wurde in ein Pflegeheim eingewiesen. Dem Ehemann wurde der Kontakt zu seiner Frau verwehrt. „Daraufhin hat er mehrere Wochen lang das Mehrfamilienhaus tyrannisiert und die Tür verbarrikadiert, als die Rettungskräfte zu seiner Hilfe eintrafen. Zuletzt bedrohte er die Rettungskräfte mit Pfefferspray.“ Schließlich schritt die Polizei ein und fixierte den alkoholisierten Mann. „Euch Hurensöhne von der Feuerwehr kriege ich auch noch“, schrie er den Feuerwehrleuten hinterher. Geraume Zeit später stapelte er brennbare Dinge in seine Wohnung, übergoss sie mit Benzin und zündete sie an, darunter auch Gasflaschen, Raketen und Spraydosen, mit der Absicht, sich umzubringen und auch die gerufene Feuerwehr zu gefährden. Als Prinz und seine Kollegen die Tür aufbrachen, brannte bereits der Flur, eine rote Flüssigkeit rann über den Boden. Aber es war nicht das Blut des Täters, sondern zum Glück nur die Farbe einer explodierten Spraydose. Der Täter überlebte und wurde in einer Gerichtsverhandlung wegen 14-fachen versuchten Mordes zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach diesem Einsatz war der Kollege von Alexander Prinz längere Zeit nicht einsatzfähig. Prinz selbst hilft es, sich über solche Einsätze auszutauschen, das ist seine Art, solche Dinge zu verarbeiten.
Dass die Presse über derartige Einsätze so wenig berichtet, kann er schwer nachvollziehen. „Es ist schade, dass wir und unsere Arbeit nicht ausreichend respektiert werden“, sagt er. „Dabei setzen wir uns so oft für unsere Mitmenschen ein.“ Und natürlich gibt es auch die schönen Erlebnisse, über die man im Nachhinein schmunzeln muss, zum Beispiel die Rettung eines Hundes, der ins Eis eines Baggersees eingebrochen war. „Ich zog kurzerhand meine Einsatzjacke aus und wickelte den vor Kälte zitternden Hund ein“, erzählt Prinz. Das rührte die Hundebesitzerin so sehr, dass sie dem nur noch im T-Shirt dastehenden Feuerwehrmann anschließend Pralinen vorbeibrachte.
Dass Alexander Prinz gerne seinen Mantel teilt, zeigt er jedes Jahr als Sankt Martin beim Laternenfest, etwas, das ihm viel Freude bereitet. „Du schaust in die leuchtenden Kinderaugen und bist einfach glücklich“, sagt er. Wir finden, er ist irgendwie schon ein Held.