Bastian Stehr

„Im Fernsehen machen sie das aber anders“

Wenn Bastian Stehr nach dem Nachtdienst noch lange Berichte schreiben muss, weil vielleicht wieder ein Betrunkener randaliert und herumgepöbelt hat und inzwischen seinen Rausch im Gewahrsam ausschläft, dann kommt es vor, dass er über die Gleichgültigkeit in der Öffentlichkeit nachdenkt. „Man nimmt die Beleidigungen und Bedrohungen dieser Menschen schon gar nicht mehr wahr“, sagt der 31-jährige Polizeibeamte über solche Einsätze, die nicht selten in körperliche Auseinandersetzungen münden.

Zu seinen Aufgaben als Polizist gehört es auch, jugendliche Ladendiebe an ihre Eltern zu übergeben. In solchen und ähnlichen Fällen wünscht er sich mehr Zeit für Gespräche und präventive Maßnahmen, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, was ohne zusätzliches Personal aber kaum zu leisten ist. „Motivation durch Respekt“ ist ihm wichtig, etwas, das mit Geld nicht aufzuwiegen ist.

Nach anfänglichen Berufswünschen von Feuerwehrmann über Archäologe bis hin zum Rechtsanwalt ist er nun schon neun Jahre im Polizeidienst beschäftigt und zieht das vorsichtige Resümee, dass sich die Qualität der Anfeindungen geändert habe. Dazu trügen wohl auch Fernsehserien bei. Die Menschen hätten den Eindruck, die Polizei zu kennen. „Im Fernsehen machen sie das aber anders“, laute inzwischen eine gängige Floskel.

Dabei, das fällt sofort auf, wirkt Bastian Stehr zumeist ruhig und gelassen. Das kommt ihm auch zugute, wenn er zweimal jährlich Kinder- und Jugendfreizeiten über mehrere Wochen begleitet. „Früher“, sagt er, „habe ich Rugby gespielt.“ Eine Verletzung war die Ursache für den Wechsel der Sportarten, heute schwimmt und läuft er viel und hält sich im Studio fit. Und dann ist da noch seine Vorliebe für anspruchsvolle Brettspiele, die über Risiko oder Monopoly hinausgehen. Die komplexen Strukturen dieser Spiele findet er nun auch in seinem Beruf wieder. Irgendwie passt das alles zusammen.