Florian Mühlenbrock

Florian Mühlenbrock

„Klare Grenzen bringen klare Strukturen“

Einsätze im Hambacher Forst, in der Pandemiezeit, bei den Montagsspaziergängen, den Coronademos in Berlin oder bei G7 in Elmau – wo immer die Einsatzhundertschaft aus Gelsenkirchen gebraucht wurde, war Polizeioberkommissar Florian Mühlenbrock dabei, fünf Jahre lang und schon früh als Verbindungsbeamter, also als Bindeglied zwischen Versammlungsleitung und Polizei. Im Hinblick auf die Einsätze in Lützerath wundert Mühlenbrock sich noch heute, wie enthemmt die Gewalt war: „Man legte brennende Grillanzünder auf die Reifen der Einsatzfahrzeuge, attackierte uns mit Holzstangen sowie anderen Schlagwerkzeugen und marschierte leichtsinnig drei Meter vor der Abbruchkante auf. Hier war viel Gewalt im Spiel, auch durch Störer, die aus dem Ausland angereist waren, sowie durch den schwarzen Block.“ Bei der Überführung eines Einsatzfahrzeugs, das am 1. Mai in Berlin gebraucht wurde, war Mühlenbrock mit einem Kollegen unterwegs, als sich bei Bad Nenndorf unmittelbar vor ihnen ein Lkw über die mittlere Leitplanke schob. Als das Fahrzeug stand, entzündete sich der Diesel und der Auflieger ging in Flammen auf. Sofort sperrten die Beamten die Autobahn, sammelten in der Rettungsgasse Feuerlöscher und dämmten den Brandherd ein. Der Fahrer war in der Zugmaschine eingeklemmt. Mühlenbrock riss Fahrzeugteile ab und bildete so eine Brandbarriere. Als die Feuerwehr anrückte, übergaben die Beamten an die Spezialisten, mussten jedoch selbst wegen Rauchgasintoxikation kurzzeitig stationär behandelt werden. Parallel zum Dienst in der Hundertschaft absolvierte Mühlenbrock ein Masterstudium in Kriminologie, Kriminalistik und Polizeiwissenschaften, Fächer, die er heute an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Gelsenkirchen unterrichtet. Zuvor war er dort ein Jahr im Wach- und Wechseldienst tätig. In dieser Zeit musste er auch in einigen Situationen zur Dienstwaffe greifen, ohne diese tatsächlich zu benutzen. In einem Fall hatten die Nachbarn die Polizei alarmiert, weil ein Mann mit einem Revolver in die Luft schoss. Als die Beamten eintrafen, hielt er, der Randalierer, die Schusswaffe am ausgestreckten Arm auf den Boden gerichtet. „Hätte er den Arm geknickt und die Mündung auf uns gerichtet, hätte ich schießen müssen“, stellt Mühlenbrock klar. Im weiteren Verlauf wurde der Mann vom SEK überwältigt. Als bereichernd empfindet Florian Mühlenbrock, der heute Pressesprecher der Polizei Gelsenkirchen ist, die enge Verbundenheit mit den Kolleg*innen. Das gemeinsame Durchstehen von Gefahrensituationen und die Erfahrung, sich aufeinander verlassen zu können, sorgt für eine Verbindung, die teilweise über den Dienst hinaus Bestand hat. Wenn Mühlenbrock privat Zeit findet, ist er gerne auf seinem Gravelbike unterwegs, auf Skiern oder verbringt Zeit mit seinem Golden Retriever. Wir können uns gut vorstellen, dass er in Zukunft Führungsaufgaben bei der Polizei übernimmt, so ruhig, klar und besonnen tritt er auf. Er selbst sagt: „Klare Grenzen bringen klare Strukturen.“