Lisa Brümmer

„Wir machen hier Urlaub – Sie stören“

Wer wie Oberbrandmeisterin Lisa Brümmer bei der Feuerwehr in Cuxhaven tätig ist, sollte sich mit den regionalen Besonderheiten auskennen. So erzählt Brümmer von den Reitern, deren Pferde im Watt durchgegangen waren, weil sie sich vor einem bellenden Hund erschrocken hatten. „Das kann sehr gefährlich sein, je nach auflaufendem oder ablaufendem Wasser“, erklärt Brümmer, der es unverständlich ist, dass die Leute dann noch pampig reagieren. Weshalb die Rettung so spät komme, wollten die Reiter im Watt wissen. „Eigentlich wollte ich Ärztin werden“, erzählt Brümmer, die schon seit ihrem 14. Lebensjahr in der Jugendfeuerwehr aktiv ist. Sie absolvierte dann zuerst eine Ausbildung im Rettungsdienst, ab 2013 eine zweite bei der Feuerwehr.

Im Stadtteil Duhnen wurde die Feuerwehr wegen eines Oberschenkelhalsbruchs gerufen. Der Rettungstransportwagen konnte nicht auf das Parkdeck gefahren werden und versperrte die Auffahrt. „Der Wagen ist mit 5 Tonnen einfach zu schwer“, sagt Brümmer. Eigentlich sollte man in einer solchen Situation Verständnis erwarten können. Nicht so in diesem Fall. Ein älterer Herr regte sich derart auf, als Brümmer weiteres medizinisches Equipment aus dem Wagen holte, dass sie um dessen Gesundheit fürchtete. „Vielleicht braucht der Herr ja auch mal irgendwann einen Rettungswagen“, merkt Brümmer an, die sich nicht auf langatmige Diskussionen einlassen konnte.

Es gibt auch die anderen Fälle, in denen ältere Menschen ihrer Dankbarkeit Ausdruck verleihen. „Wenn ich ihnen nach einem Einsatz ein Glas Wasser hinstelle und ein Marmeladenbrot schmiere“, sagt die Feuerwehrfrau, deren psychologisches Geschick immer wieder gefordert ist. Sie erzählt von einem Suizidversuch im Watt. Es ging um einen Mann, der mittels Drohnen gefunden wurde. „In solchen Fällen kann der Unimog zum Einsatz kommen, bis zu einer maximalen Watt-Tiefe von 1,20 Meter“, erklärt Brümmer. Auf einem Trailer könne auch ein Rettungsboot mitgenommen werden. Der Mann wurde schließlich aufgelesen. „Er war zunächst ganz ruhig“, sagt die Retterin, „rastete aber aus, als er die Polizei sah, und wollte die Waffe eines Beamten ergreifen.“ Zum Glück blieb es ihm verwehrt. Erst später erfuhr sie, dass der Mann generell zur Gewalttätigkeit neige.

„Wir machen hier Urlaub – Sie stören“, diesen Satz bekommt die Feuerwehr auch hin und wieder zu hören. Und trotzdem ist Lisa Brümmer von der Feuerwehr so begeistert, dass sie nach der Fusion von Duhnen und Stickenbüttel die eigene Jugendfeuerwehr ausgebaut hat. Ihre 12-jährige Tochter ist dort Mitglied und tritt vielleicht in Mamas Fußstapfen. Sport, joggen, schwimmen, reiten – Lisa Brümmer hält sich fit. Und der Hund verlangt auch nach seinem Recht. Eine aktive, sympathische, emotionale Frau.