Maher Belmkaddem

Ein Kundenbetreuer mit marokkanischen Wurzeln

„Bei der Anzahl und Intensität der Übergriffe, die ich erlebt habe, wären viele andere Kundenbetreuer im Nahverkehr schon nicht mehr im Dienst“, sagt der gebürtige Dortmunder Maher Belmkaddem. Kundenbetreuer im Nahverkehr, so heißt heute der Schaffner. Auch wenn der Bahnmitarbeiter mit den marokkanischen Wurzeln inzwischen in der Personaleinsatzplanung tätig ist, hat er doch siebeneinhalb Jahre Erfahrung im Zug.

Da gibt es angenehme Erinnerungen wie an die Begrüßung regelmäßiger Fahrgäste auf einer Strecke, die er häufig befuhr, oder an die Dame, die sich bei ihm bedankte, obwohl sie Strafe zahlen musste, weil sie keinen gültigen Fahrausweis besaß. Aber Maher Belmkaddem sagt auch: „Das ist alles schlimmer geworden. Schon 14- oder 15-Jährige machen sich einen Spaß daraus, mit den Kundenbetreuern Katz und Maus zu spielen. Selbst wenn sie einen Fahrschein haben, gaukeln sie vor, keinen zu besitzen, und rennen durch den Zug. Da fehlt es an Respekt.“

Schlimmer sind die tätlichen Auseinandersetzungen, die oft mit Beleidigungen beginnen. Meistens handelt es sich um Fahrgäste, die alkoholisiert sind oder unter Drogeneinfluss stehen. „Ich kann mich erinnern, dass ich schon angespuckt wurde. Selbst Flaschen flogen“, sagt Maher Belmkaddem, der die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei lobt. Einige Erinnerungen stehen ihm besonders vor Augen, etwa an den Mann, der sich vor einer Gruppe mitreisender Vorschulkinder entblößte, oder an eine ganze Horde von Schwarzfahrern, die ihm aggressiv und alkoholisiert entgegentraten. „Ich habe schon viele Verletzungen erlitten, selbst gebissen hat man mich.“

In seiner Freizeit spielt der Familienvater am liebsten Fußball, gerne auch mit seinen beiden Kindern. „Na ja, zumindest mit dem Großen“, fügt er hinzu, „der Kleine kann ja noch nicht laufen“. Aber Maher Belmkaddem hat eine große Familie, vier Geschwister, die jeweils auch zwei Kinder haben. Da ist die eigene „Belmkaddem-Elf“ nicht mehr weit. Gerne ist er auch mit dem Rad unterwegs oder reist nach Marokko, am liebsten nach Marrakesch. Die vielen Sprachen und arabischen Dialekte, die er beherrscht, haben ihm im Zug natürlich auch geholfen. Jetzt sind sie für ihn und seine Familie ein großer Vorteil im Urlaub.